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Dr. med. Vernon Coleman: Warum Tierversuche sowohl moralisch als auch ethisch verwerflich sind

Dr. Coleman, der prominenteste Tierschützer Englands, hat hier an acht Streitfragen die moralischen und ethischen Argumente aufgelistet, die eindeutig gegen Tierversuche sprechen. Eine weitere Argumentationshilfe für Tierversuchsgegner!

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Warum Tierversuche sowohl moralisch als auch ethisch verwerflich sind

Acht Streitfragen beantwortet von Dr. med. Vernon Coleman

Die Tierversuchsbefürworter - gleichgültig, ob sie aktiv oder passiv mitwirken - müssen sich darüber im klaren sein, daß sie zu den ideologisch verbohrten Fanatikern gehören, denen jedes Mittel recht ist, um einen sogenannten wissenschaftlichen Fortschritt zu erzielen. Sie haben ein gestörtes Verhältnis zum Leben und zur Natur überhaupt. Von den KZ-Ärzten zu den Tierversuchen führt eine rote Spur. Das muß jeder wissen, der glaubt, die Tierquälerei unter dem Deckmantel der Forschung verbergen zu könnnen. Dr. Coleman, der prominenteste Tierschützer Englands, hat hier an acht Streitfragen die moralischen und ethischen Argumente aufgelistet, die eindeutig gegen Tierversuche sprechen. Eine weitere Argumentationshilfe für die Tierversuchsgegner im Gespräch vor allem mit den »Mitläufern« der Vivisektion, aber auch mit den Tiermördern selbst.

Wie die meisten modernen Tierversuchsgegner greife ich bei meiner Argumentation gegen Tierversuche bevorzugt auf wissenschaftliches und medizinisches Material zurück. Die moralischen und ethischen Argumente sind jedoch ebenfalls wichtig und sollten daher nicht vernachlässigt werden.

Moralische Streitfrage Nummer 1:

Sind Tiere lediglich als »Dinge«, anzusehen, die dem Menschen beliebig zur Verfügung stehen?

Rene Descartes gilt als einer der größten Denker in der Geschichte der Menschheit und war zweifellos einer der herausragendsten Gestalten des siebzehnten Jahrhunderts. Ganz frei von Schwächen und blinden Flecken war auch dieser große Mann jedoch nicht. Seine größte Schwäche bestand wahrscheinlich in seiner Auffassung von Tieren. Da Tiere keine unsterbliche Seele besitzen, sprach Descartes ihnen jegliches Bewußtsein, Verlangen, Gefühle oder Emotionen ab.

Mit der beneidenswerten Selbstsicherheit eines Menschen, der von unumstößlichen religiösen Vorurteilen geleitet und getrieben wird, erklärte Descartes, daß Tiere ebensowenig unseren Respekt und unsere Achtung verdienten wie beispielsweise eine Uhr. Pferde seien, im Sinne des Menschen, ebensowenig »lebendig« wie der Wagen, vor den sie gespannt werden.

Hätte Descartes nur ein wenig mehr Zeit mit der aufmerksamen Beobachtung seiner unmittelbaren Umgebung zugebracht und die Entschlüsselung der Geheimnisse des Universums kurzfristig ruhen lassen, hätte er sich vom Gegenteil überzeugen müssen. Hätte er über genug gesunden Menschenverstand verfügt, um sich mit einem Kind, mit einem Hund, einer Katze oder einem Hasen als Haustier zu unterhalten, hätte er die Wahrheit erfahren: Obwohl wir keine genaue Vorstellung haben können wie Tiere denken, oder worüber sie denken, kann es keinen Zweifel geben, daß sie ebenso denkfähig sind wie viele Menschen. Einfache Beobachtungen hätten Descartes gelehrt, daß Tiere Schmerzen empfinden und leiden, wenn sie krank sind, daß Tiere sich langweilen oder unglücklich und depressiv sein und durch Mißbrauch schwere Verhaltensstörungen erleiden können.

Jedes Mitglied des Tierreichs weist bestimmte Unterschiede auf, doch bedeutet dies nicht, daß Katzen weniger lebendig als Franzosen sind, oder Hunde weniger unser Mitgefühl verdienen als Kinder. Sogar Ratten, wohl die am meisten gehaßten und am wenigsten geliebten Labortiere, sind wache, intelligente und gesellige Tiere. Ratten gehen Beziehungen untereinander und mit Menschen ein und verfallen in der Gefangenschaft rasch der Langeweile und Frustration.

Descartes hat es jedoch unterlassen, seine Umwelt zu beobachten oder sich mit Kindern über Haustiere zu unterhalten. Seine Theorien wurden rasch von einer Gesellschaft akzeptiert, die sich in der Erfindung von Theorien stets mehr auszeichnete als an deren Untermauerung mit Tatsachen. Descartes war ein mächtiges und einflußreiches Mitglied der akademischen Welt, und was am allerwichtigsten war, seine Ansichten fügten sich in das Gedankengebäude der damaligen Gelehrtenwelt nahtlos ein.

In den darauffolgenden Jahren trat die Cartesianische Logik ihren Siegeszug durch die Wissenschaften an, und es dauerte nicht lange, bis ein Wissenschaftler, der sich eine Katze von innen ansehen wollte, nur ein Versuchstier an ein Brett nageln und aufschneiden mußte. Die Schmerzenslaute des gequälten Tieres konnte er so einfach wie das Quietschen einer rostigen Türangel abtun.

Es war also die simplizistische und zweifellos falsche Philosophie Descartes, die der Entwicklung der modernen Vivisektion den Weg gebahnt hat.

Um die Auffassung von Tieren als Gegenständen, anstatt als empfindungsfähigen Wesen zu festigen, bedienen sich die meisten Wissenschaftler einer völlig unpersönlichen Sprache, wenn es um die betreffenden Tiere geht, und verwenden eine eigenartige Fachsprache, um ihre Aktivitäten zu beschreiben. So werden Katzen zum Beispiel als »Präparationen«, das Heulen und Miauen der Tiere als »Vokalisierung« bezeichnet, während Phrasen wie »Ernährungsinsuffizienz« den Hungertod kaschieren. Eine Forschergruppe bediente sich der Wortschöpfung »binokularer Ausfall«, um junge Hauskatzen zu beschreiben, deren Augenlicht durch entsprechende, absichtliche Eingriffe zerstört worden war. Wenn Experimente abgeschlossen werden, spricht man davon, daß die Tiere geopfert oder der Euthanasie zugeführt werden. Viele Forscher wollen wahrscheinlich nicht daran erinnert werden, daß sie in Wirklichkeit Tiermörder sind.

Moralische Streitfrage Nummer 2:

Welche Rechte haben Tiere?

Wissenschaftler, die nach einer etwas vereinfachten Sicht der Welt verfahren, argumentieren häufig damit, daß Tiere überhaupt keine Rechte besitzen. Wenn man sie in die Enge treibt, hört man die Erklärung, Tiere hätten keine andere Existenzberechtigung als aus-schließlich dem Wohl und Nutzen des Menschen zu dienen. Ihr größtes Zugeständnis besteht darin, dem Menschen die Verantwortung dafür aufzuerlegen, den Tieren unnötiges Leiden zu ersparen. Der Begriff »unnötig« läßt sich natürlich kaum zufriedenstellend definieren und die Zahl der aktiven Forscher, die freiwillig zu Protokoll geben würden, ihre Versuchsanordnungen hätten »unnötiges« Leiden verursacht, dürfte verschwindend gering sein.

Wir hören hier dieselben elitären Redensarten, die an den üppigen Tafeln der englischen Sklavenhändler in der Zeit vor Wilberforce zu hören gewesen sind, und die man auch heute noch an den reich beladenen Tischen der mit irdischen Reichtümern und tiefsitzenden Vorurteilen Gesegneten vernehmen kann.

Letztendlich ist der Mensch ja das Zentrum des Universums, alles dreht sich mehr oder weniger um uns. Dem Menschen ist es gegeben, sich zum Herrscher über alle anderen Lebewesen und Lebensformen aufzuschwingen (»Machet euch die Erde untertan«). Welche Rolle würden Tiere auf der Erde schon spielen, wenn es keine Menschen gäbe? Das Tierreich dient ausschließlich der Versorgung des Menschen mit Nahrung und Kleidung, seinem Vergnügen und seiner Unterhaltung.

Diese arrogante, anthropozentrische Geisteshaltung wird auch als sogenannter »Speziesismus« bezeichnet und als grausame und gefühllose Sicht der Welt verurteilt, dennoch sind diese Einstellungen weit verbreitet und weitgehend immun gegen logische und verstandesmäßige Argumente. Der primitive Geist, der den Menschen als einzigen Sinn und Zweck der Schöpfung begreift, wird solchen subtilen Manifestationen menschlicher Intelligenz wie Vernunft, Einsicht oder Demut wenig Gehör schenken.

Moralische Streitfrage Nummer 3:

Vivisektion ist nicht illegal, wie kann sie dann verwerflich sein?

Wieder und wieder betrübt mich die Tatsache, daß es auf unserer Welt noch immer Männer und Frauen gibt, die sich für vernünftig, für gebildet und für hinreichend intelligent halten und doch gleichzeitig ein Argument vorbringen, das derart von Engstirnigkeit, Egoismus und Unerbittlichkeit zeugt. Ich muß sagen, daß mich Müdigkeit und Verzweiflung überkommen, wenn ich dieses Argument höre.

»Es verstößt gegen das Gesetz, im Namen der Wissenschaft Menschen zu foltern und für ihr Leben zu verstümmeln, das gleiche mit Tieren zu tun, ist dagegen nicht verboten - was sollte man also dagegen einwenden?«

Ich frage mich ernsthaft, wie jemand eine dermaßen mechanische Einstellung zum Leben an den Tag legen kann.

Die Wahrheit ist, daß nicht alle rechtmäßigen Handlungen automatisch moralisch vertretbar sind und nicht alle moralisch vertretbaren Handlungen automatisch rechtmäßig. Noch vor wenigen Generationen genoß ein Schwarzer in Amerika eine ähnliche Rechtsstellung wie ein Maisfeld. Die Wahrheit ist, daß es einen himmelweiten Unterschied zwischen dem rechtmäßig Akzeptablen und dem moralisch Akzeptablen gibt. Die meisten von uns sind sicherlich der Meinung, daß es unmoralisch ist, Kindern unnötig zu drohen oder ihnen Angst einzuflößen, entsprechende, im Familienkreis vorgenommene Handlungen sind jedoch selten illegal. Unter gewissen Umständen kann auch eine Vergewaltigung gesetzlich sanktioniert sein - ist sie deshalb aber moralisch richtig? Falschparken verstößt gegen das Gesetz - heißt das, daß es unmoralisch ist?

Führen wir einmal die Prämisse »gesetzlich verankerte Rechte sind moralisch vertretbare Rechte« logisch fort, und stellen wir uns vor, was passieren würde, wenn Außerirdische auf unserem Planeten landeten.

Gemäß unserem geltenden Recht wäre kein Außerirdischer, egal wie bezaubernd, freundlich und friedliebend er auch immer sein mag, vor brutaler Gewalt sicher. Nur die menschliche Gattung ist voll gesetzlich geschützt. Jeder Forscher hätte das Recht, Versuche an Außerirdischen durchzuführen, und er könnte sich dabei in der Gewißheit wiegen, nicht gegen das Gesetz zu verstoßen.

Es ist nicht weiter schwierig, an diesem oft vorgebrachten, doch flachen und bemerkenswert einfältigen Argument noch weitere Schwachstellen aufzudecken.

Stehen Tiere zum Beispiel außerhalb des Gesetzes, weil sie keine Seelen haben? Wenn ja - wer sagt uns denn eigentlich, daß sie keine Seelen haben? Und wenn es tatsächlich stimmt, daß sie keine Seelen haben (und ihnen damit ein Leben nach dem Tod abgesprochen wird), woher nehmen wir das Recht, über das eine Leben zu verfügen, das sie besitzen?

Was ist mit jenen, die an die Reinkarnation glauben? Ihrer Anschauung nach könnte ein Wissenschaftler, der eine Maus zerstückelt, einen ihrer Angehörigen vernichten. Ist ein solcher Glaube falsch? Ist er rechtlich oder moralisch irrelevant? Haben wir das Recht, über den Glauben unserer Nachbarn zu urteilen, nur weil das geschriebene Recht eine bestimmte Handlung nicht untersagt?

All diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, und ich stelle sie lediglich, um klarzumachen, daß es eine zwingende Übereinstimmung zwischen rechtlich zulässigen und moralisch zulässigen Handlungen nicht geben kann.

Ein letztes Argument bringt jedoch meiner Ansicht nach klar und deutlich zum Ausdruck, daß es im großen und ganzen gefährlich ist, wie so viele Vivisektoren davon auszugehen, eine dem Gesetz entsprechende Arbeit müsse zwangsläufig auch moralisch und ethisch einwandfrei sein.

Ein Forscher, der an einem Menschen Versuche durchführen möchte, muß zunächst dessen Zustimmung einholen. Ohne Zustimmung wäre jede Vivisektion an einem Menschen schlichtweg eine illegale Körperverletzung. Wie aber kann ein Forscher einen Affen nach dessen Zustimmung fragen, wenn er ein Experiment plant? Auch wenn dies unmöglich ist, wissen wir doch, daß Affen sich untereinander verständigen und auch mit Menschen kommunizieren können. Mit welchem Recht geht also ein Forscher davon aus, daß der Affe ihm die Zustimmung gegeben hat oder daß es dieser Zustimmung erst gar nicht bedarf?

Mag ein Affe dem Gesetz nach auch kein menschliches Wesen sein und demnach über keinerlei gesetzlich verankerte Rechte verfügen, unter dem Gesichtspunkt der Moral betrachtet gibt es keine verbindlichen Richtlinien dafür, was richtig und was falsch ist.

Die Tatsache, daß Vivisektion legal ist, segnet sie noch längst nicht moralisch ab.

Moralische Streitfrage Nummer 4:

Der Mensch kann nach Belieben über Tiere verfügen, weil sie nicht denken, fühlen oder leiden können.

Ich habe bereits dargelegt, daß Tiere durchaus Schmerz empfinden und leiden können, so gilt es also nur noch zu widerlegen, daß sie nicht in der Lage sind zu denken.

Das obige Argument kam mir zum ersten Mal vor einigen Jahren in einer Fernsehsendung zu Ohren. Der Wissenschaftler im dunklen Anzug, von dem ich es hörte, trug sein Argument vor, als handele es sich um eine allgemein anerkannte Tatsache und als rechtfertige sie jede erdenkliche Art von Grausamkeit und Quälerei. »Tiere können nicht denken«, sagte er frisch heraus und blickte in die Runde, als könnte das seine Aussage bestätigen.

»Wie steht es denn mit Babys?«, fragte ein junger Mann mit hellgrün gefärbtem Haar, dessen Nase und Ohren ein Bündel Sicherheitsnadeln schmückte. »Können die denn denken?« Er hielt inne und dachte einen Augenblick lang nach. »Und was ist mit geistig Behinderten, mit schwer erziehbaren Kindern und mit Leuten, die an seniler Demenz leiden?«

Seine Fragen waren vollkommen berechtigt, und der Wissenschaftler wußte keine Antwort. Die Tatsache, daß Tiere nicht denken können, ist (selbst wenn sie der Wahrheit entspricht) noch lange kein Freibrief dafür, Tiere ohne Respekt und Achtung zu behandeln.

Aber stimmt es denn überhaupt, daß Tiere nicht denken können? Gibt es einen einzigen vernünftigen Grund zu der Annahme, daß ein Affenbaby nicht fühlt, wenn es von seiner Mutter und Familie getrennt, in eine Trommel gesteckt und dort für mehrere Wochen hintereinander allein gelassen wird?

Haben wir irgendein Recht, davon auszugehen, daß Tiere dumm sind, nur weil sie nicht unsere Sprache sprechen? Das ist genau das Argument, das einst der schlimmste Typus des englischen Kolonialisten auf der Zunge trug. »Die Eingeborenen hier können kein Englisch, also sind sie dumm«, so ließ er mit beneidenswerter Einfachheit vernehmen.

Die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen, ist so einfach nicht. Zum Beispiel wird mir jeder, der einmal eine Katze hatte, zustimmen, daß es völlig abwegig ist zu behaupten, Katzen könnten nicht denken: Es sind auffallend intelligente und emotionale Lebewesen. Katzen können erstaunlich gut untereinander und auch mit Menschen kommunizieren. Dazu haben sie gar Geschicklichkeiten, mit denen wir allem Anschein nach nicht ausgestattet sind.

So weiß man zum Beispiel von vielen Katzen, die Hunderte von Kilometern zurückgelegt haben, um nach Hause zu finden. Katzen, deren Besitzer gestorben sind, überqueren Autobahnen, durchqueren Flüsse, passieren Eisenbahnschienen und legen auf diese Weise enorme Strecken zurück, um mit Menschen zusammensein zu können, zu denen sie Zuneigung gefaßt haben. Ohne Landkarte und Kompaß können Katzen mit verblüffendem Geschick lange, beschwerliche Wege bewältigen.

Wir wissen nicht, über welche Intelligenz andere Tiere verfügen, allerdings wissen wir ebensowenig, wie unintelligent sie tatsächlich sind. Das einzige, was wir wirklich wissen, ist, daß es auf der ganzen weiten Welt keine Lebewesen gibt, die auch nur annähernd so grausam sind wie einige der Menschen, die in Forschungslabors arbeiten.

Einige Befürworter von Tierversuchen behaupten manchmal, daß wir Tierversuchsgegner Anthropomorphismus betrieben und uns grundlos um Wesen sorgten, deren Lebensformen und Lebensweisen wir gar nicht ganz verstehen können. Sie sagen, daß wir unsere Gefühle, Ängste und Hoffnungen auf die Tiere projizieren, mit denen sie ihre Versuche anstellen.

Wie immer strotzt das Argument vor Arroganz, denn die Leute, die dieses Argument geltend machen, scheinen doch gerade damit auszudrücken, daß wir die Bedürfnisse und Rechte der Tiere überschätzen, während sie alles glasklar durchschauen.

Die Wahrheit liegt wie immer darin, daß die Klarsicht der Anhänger der Vivisektion durch ihre eigene Unfähigkeit getrübt wird, die Realität wahrzunehmen. Selbst wenn es ihnen einmal gelingt, zumindest ansatzweise einen vernünftigen Gedankengang zustandezubringen, haben sie sich noch immer als unfähig erwiesen, diesen Gedanken weiterzuführen und zu einer vernünftigen Schlußfolgerung zu gelangen.

Es ist vollkommen richtig, daß Tiere anders sind als Menschen, und es wäre hanebüchen, davon auszugehen, daß Tiere die Dinge so sehen, wie wir es tun. Jedes Tier sieht die Welt in einem anderen Licht. Tiere sind keine Menschen, aber sie sind auch keine Steine. Katzen denken und verhalten sich wie Katzen. Affen denken und verhalten sich wie Affen. Hunde denken und verhalten sich wie Hunde. Nur wenn wir uns die Mühe machen zu verstehen, wie Hunde denken und wie sie sich verhalten, werden wir das ganze Ausmaß der Qualen ermessen können, die sie in Versuchslabors erleiden.

Alle Tiere sind verschieden. Katzen fressen gern frischgetötete Mäuse. Kühe mögen Gras. Affen schwingen sich mit ihrem Schwanz von Baum zu Baum. Ratten verspeisen mit Genuß, worüber wir nicht einmal hinweglaufen mögen.

Auch wenn es eindeutig falsch ist, menschliche Eigenschaften auf Tiere zu übertragen und Erwartungen und Hoffnungen aus Verhaltensmustern abzuleiten, die eventuell etwas ganz anderes bedeuten, so haben wir doch in jedem Falle die Möglichkeit, genügend Kenntnisse über tierisches Verhalten zu gewinnen, um uns annähernd ein Bild davon zu machen, was sie mögen und was sie nicht mögen.

Im Jahre 1965 entschied die britische Regierung, daß der schmale Maschendraht auf dem Boden von Hühnerkäfigen den Hühnern das Laufen erschwere. Ein wohlmeinendes Komitee aus »menschlichen« Experten faßte den Entschluß, daß dickerer Draht besser sei. Als man die Hühner jedoch wählen ließ, entschieden diese sich mit klarer Mehrheit für den dünneren Maschendraht. So überstimmten die Hühner die distinguierte Beratergruppe der Regierung, indem sie zu guter Letzt zeigten, daß sie selbst am besten wußten, was sie wollten (d. h. welche von zwei grausamen Alternativen ihnen mehr zusagte).

Durch eine genaue und sorgfältige Beobachtung von Tieren läßt sich herausfinden, welche Lebensweisen sie bevorzugen, und es stellt sich heraus, daß Tiere stets die erträglichste Alternative wählen, wenn man ihnen nur die Wahl läßt.

Den Menschen, die Tierversuche durchführen, ist jedoch nicht im geringsten daran gelegen herauszufinden, welche Eigenschaften die Tiere haben, die sie benutzen. Sie wollen nicht wissen, daß die von ihnen benutzten Tiere intelligent genug sind, um eine Wahl zu treffen. Sie mögen sich gar nicht vorstellen, daß die Tiere, die sie halten, eventuell eine andere Lebensweise bevorzugen könnten. Tatsächlich werden Labortiere unter grausamen und brutalen Bedingungen gehalten. In der Art und Weise, wie diese Tiere benutzt und mißbraucht werden, offenbart sich eindeutig, daß die Verantwortlichen sich noch nicht im entferntesten bemüht haben, die Wesen zu verstehen, mit deren Leben sie so leichtfertig umgehen.

Die feine Ironie dabei liegt darin, daß Forscher oftmals behaupten, dank ihrer Laborbeobachtungen Aussagen über Verhaltensmuster oder über die Giftigkeit getesteter Stoffe treffen zu können. Tatsächlich sind diese Beobachtungen und Aussagen völlig wertlos, weil die Tiere in unnatürlichen Bedingungen gehalten werden, die mit der Realität nichts mehr zu tun haben.

Moralische Streitfrage Nummer 5:

Es spielt keine Rolle, ob Tiere denken können oder nicht: Wir sind stärker und überlegen, also ist es unser gutes Recht, ganz nach unserem Belieben mit ihnen umzuspringen.

Erstaunlicherweise hört man dieses Argument recht häufig, und eine große Zahl von Vivisektoren scheint der Überzeugung zu sein, der Stärkere sei moralisch berechtigt, mit dem Schwächeren zu tun, was ihm gefällt. Anscheinend erkennen die Befürworter dieser These nicht, daß sich dasselbe Argument mit der gleichen Logik auch auf die Gattung Mensch anwenden läßt.

Wenn es daher recht und billig ist, daß Menschen Paviane foltern, verstümmeln und töten, weil wir stärker und ihnen überlegen sind, so müßten die stärksten und überlegendsten Menschen ebenso das Recht haben, die schwächsten zur Durchsetzung ihrer Ziele zu benutzen. Wenn es moralisch zulässig ist, daß ein Forscher auf der Grundlage dieses Argumentes Versuche an Hunden durchführt, was hält uns dann davon ab, mit dem gleichen Argument Versuche an Kindern, alten Menschen oder körperlich oder geistig Behinderten zu rechtfertigen?

Wissenschaftler, die dieses Argument ins Feld führen, sollten vielleicht einmal ernsthaft über ihren eigenen gesellschaftlichen Status nachdenken. Wenn geistig minderbegabte und gesellschaftlich wertlose Menschen einst für Versuche benutzt werden können, befinden sich die Vivisektoren gewiß unter den Ersten, auf die in den Labors der Tod wartet. Wenn sich mit der Suche nach neuem Wissen Grausamkeiten rechtfertigen lassen, müssen wir uns dessen bewußt sein, daß Wissenschaftler sich für gewöhnlich schwer damit tun, moralisch zwischen Tierversuchen und Menschenversuchen zu unterscheiden.

Zum Schluß sollte noch kurz darauf hingewiesen werden, daß zwar viele Wissenschaftler selbst die größte Schandtat gerne mit dem Streben nach neuen Erkenntnissen rechtfertigen, doch nur sehr wenige (wenn überhaupt einige) bereit sind, ihre Experimente auf eigene Kosten oder in ihrer Freizeit durchzuführen. Der Großteil wissenschaftlicher Versuche wird heutzutage von äußerst gutbezahlten Wissenschaftlern in äußerst gut ausgerüsteten Labors angestellt.

Denjenigen unter uns, die Tierversuche für unannehmbar halten (gleichgültig, wieviel »Wissen« sie uns auch immer erschließen mögen), sollte klar sein, daß die große Mehrheit dieserVersuche mit öffentlichen Geldern finanziert wird, und das zu einer Zeit, in der sich Ärzte und Lehrer darüber einig sind, daß es dem öffentlichen Dienst an Geld fehlt.

Ich frage mich, wieviele Forscher mit ihren Tierversuchen fortführen (fest entschlossen, zum Wohle der Allgemeinheit unseren Wissensschatz zu bereichern), wenn sie diese aus der eigenen Tasche bezahlen müßten, anstatt fette Gehälter aus öffentlichen Mitteln zu kassieren. Ich nehme einmal an, daß einige Wissenschaftler ganz plötzlich feststellen würden, daß viel wichtigere Aufgaben auf sie warten. Mit anderen Worten heißt das: Viele Vivisektoren treibt nicht das Streben nach neuen Erkenntnissen, sondern die gute alte Geldgier.

Moralische Streitfrage Nummer 6:

Tierversuche sind gerechtfertigt, weil sie für den Fortschritt der Menschheit unerläßlich sind.

Gerne greifen Tierversuchsbefürworter auf folgende Argumentationsstrategie zurück: man wähle einen passenden Zeitpunkt in der Vergangenheit aus, weise auf alle wissenschaftlichen Fortschritte hin, die seitdem stattgefunden haben, um dann zu argumentieren, daß kein einziger dieser Fortschritte ohne Tierversuche erzielt worden wäre.

Dieses Argument hat so viel mit Logik zu tun wie Buttercremetorte mit einer ausgewogenen Ernährung.

Zunächst ist es unlogisch vorzubringen, daß Tierversuche unerläßlich und aufschlußreich seien, nur weil sie durchgeführt wurden. Tatsächlich haben Tierversuche den Fortschritt eher behindert als vorangetrieben. Ebensogut könnten Sie argumentieren, daß Menschen gelernt haben, schneller zu laufen und höher zu springen, seit man mit Tierversuchen begann, und daß auch hier folglich ein Zusammenhang bestehen muß. Mit der gleichen Leichtigkeit und dem gleichen Maß an Vernunft könnten Sie die Behauptung aufstellen, daß wir den Tierversuchen auch die Entwicklung des Fernsehers verdanken und uns immer noch auf den städtischen Ausrufer verlassen müßten, wenn wir keine Affen, Katzen und Hunde gequält hätten.

Auch dann, wenn Tierversuche tatsächlich einen Nutzen gehabt hätten, wäre es absurd zu behaupten, ohne sie hätten Wissenschaftler überhaupt keine Fortschritte erzielt. Eine solche These stellt eine schwere Beleidigung der Intelligenz und Findigkeit der Wissenschaftler dar und setzt voraus, daß nur diejenigen unter ihnen wirklich kreativ sind und Schöpfergeist besitzen, die bei lebendigem Leibe Mäuse zerstückeln. Das ist eindeutig Unsinn. Niemand beklagt sich darüber, daß uns der Fortschritt versagt wurde, weil wir keine Menschenversuche durchführen durften.

Moralische Streitfrage Nummer 7:

Tierversuche finden ihre Rechtfertigung darin, daß wir dank solcher Untersuchungen unseren Wissensschatz vergrößern.

In der Regel versuchen Wissenschaftler, ihre Arbeit mit dem Argument zu rechtfertigen, daß sie dazu beitragen, Leben zu retten. Sie kennen keine Skrupel, wenn es darum geht, sich weitverbreitete Ängste zu Nutze zu machen, um ihre Karrieren zu sichern. Derartige Argumente lassen sich jedoch nur aufrecht erhalten, solange keine Fakten gefordert werden. Wissenschaftler sehen sich immer öfter gezwungen, diese Verteidigungsstrategie aufzugeben.

In die Enge gedrängt und unfähig, ihr Tun praktisch oder medizinisch zu rechtfertigen, bringen Wissenschaftler oft vor, ihre Arbeit sei schon allein aus dem einfachen Grunde vertretbar, daß durch sie der menschliche Wissensstand erweitert werde. Die Arbeit rechtfertigt sich selbst, so geben sie vor, und bedarf gar keines praktischen Sinns und Nutzens.

Zu versuchen, dieses Argument mit moralischen oder ethischen Argumenten zu widerlegen, ist wahrscheinlich ebenso sinnlos wie es sinnlos gewesen wäre, Josef Mengele mit den Worten, er handele »falsch«, von seinen Greueltaten abbringen zu wollen. In der Geschichte der Wissenschaft gab es immer schon Forscher, deren überzeugtes Streben nach neuen Erkenntnissen jede noch so abstoßende Handlung sanktioniert hat. Wie schon Wissenschaftler in der Nazizeit und ihre japanischen Kollegen unzählige Versuche an Menschen ohne jegliche Gewissenbisse durchführten, scheinen auch die heutigen Tierversuchsbefürworter zu glauben, ihr Tun, egal wie grausam auch immer, werde dadurch legitimiert, daß es unseren Wissensstand erweitert.

Wer sich von diesem Argument überzeugen läßt, könnte sich gelegentlich einmal fragen, wo (wenn überhaupt) hier ein Schlußstrich gezogen werden sollte. Rechtfertigt das Streben nach neuen Einblicken jede Handlung? Einige Wissenschaftler würden diese Frage bestimmt bejahen, und es gibt reichlich Beweise dafür, daß sich sogar heute in unserer westlichen Welt Ärzte bereit zeigen, an Patienten, für die sie Sorge tragen, ohne sie zu fragen, höchst riskante Experimente durchzuführen.

In meinem Buch »The Health Scandal« gehe ich auf eine ganze Reihe solcher Fälle ein. So wurden zum Beispiel Frauen Augentropfen verabreicht, um die Entwicklung des Grauen Star experimentell untersuchen zu können, und Kindern gab man Medikamente, um den natürlichen Genesungsprozeß nach einer Leberinfektion zu verhindern.

Die unglaublichsten Versuche stellte vielleicht Doktor Myrtle B. McGraw von der Columbia University in den USA an. McGraw bezog insgesamt 42 Babys im Alter von 11 Tagen bis zweieinhalb Jahren in ihre Versuche mit ein. Diese bestanden unter anderem darin, die Babys unter Wasser zu halten, um zu sehen, wie sie reagieren.

In dem Artikel, in dem sie ihre Arbeit beschreibt, berichtet Dr. McGraw, daß die Babys mit ihren Gliedmaßen »kampfartige Bewegungen« ausführten. Wie sie fortfährt, griffen die Kleinkinder nach der Hand des Experimentators und versuchten, sich das Wasser aus dem Gesicht zu wischen. Die Ärztin zeigte sich erstaunt darüber, daß »die Flüssigkeitsaufnahme beträchtlich gewesen sei« und ließ die Kinder husten.

In den letzten Jahrzehnten wurden Tausende von Patienten einer experimentellen Gehirnchirurgie unterzogen (wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, den verweise ich auf mein Buch »Paper Doctors«). In Großbritannien haben Chirurgen vielen Patienten absichtlich und über einen langen Zeitraum schwere Hirnschäden zugefügt, um Menschen zu behandeln, die so verschiedene Krankheitsbilder aufwiesen wie Hautausschläge, asthmatische Anfälle, chronischen Rheumatismus, nervöse Anorexie, Tuberkulose, Bluthochdruck, Angina und durch Barbiturate verursachte Angstzustände. Patienten wurden Krebszellen injiziert, um zu beobachten, ob sie an Krebs erkranken würden oder nicht.

Ohne daß sich irgendjemand die Mühe macht, sie um Erlaubnis zu fragen, werden Patienten auf der ganzen Welt neue, ungetestete Medikamente verabreicht, so daß Ärzte ihre Reaktionen verfolgen können. Viele der Wissenschaftler, die Tierversuche durchführen oder gutheißen, befürworten auch Versuche an Menschen. Ihrer Ansicht nach sind solche Versuche gerechtfertigt, weil sie dem Menschen neue Kenntnisse eröffnen oder weil sie zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden beitragen.

»A human life is nothing compared with a new fact.« E. E. Slosson

Ein amerikanischer Wissenschaftler stellte neulich fest, daß »ein Menschenleben im Vergleich zu einer neuen Erkenntnis bedeutungslos sei... das Ziel der Wissenschaft sei die Erweiterung des menschlichen Wissensschatzes - ohne jede Rücksicht auf menschliches Leben«. Als ein anderer Wissenschaftler scharf kritisiert wurde, weil er Menschen in einem Pflegeheim für ein Experiment benutzt hatte, erwiderte er, daß er ja wohl schlecht hätte Wissenschaftler nehmen können, da diese viel zu wertvoll seien.

Moralische Streitfrage Nummer 8:

Jedes Jahr werden Tausende von Tieren eingeschläfert, weil sie krank sind oder ausgesetzt wurden. Es bietet sich an, diese Tiere zu Versuchen heranzuziehen, statt sie ungenutzt sterben zu lassen.

Die Wissenschaftler, die diese These ins Feld führen, scheinen nicht zu erkennen, daß es noch längst nicht ein und dasselbe ist, ob man ein Tier einschläfert oder es einer Reihe von schmerzhaften, entwürdigenden wissenschaftlichen Prozeduren aussetzt.

Ließe man dieses Argument gelten, könnte man auch sterbende, einsame oder ungewünschte Menschen zu Versuchen heranziehen. Wer diese Behauptung vertritt, scheint ebensowenig zu begreifen, daß das Töten von kranken oder ausgesetzten Tieren mehr der Befriedigung menschlicher, denn der Befriedigung tierischer Bedürfnisse dient. Tiere zu töten, nur weil sie nicht gebraucht werden, ist moralisch nicht zu rechtfertigen. Man kann ein ethisches Argument nicht auf eine ethisch nicht vertretbare Begründung stützen.

Der entscheidende Argumentationsfehler

Die Mehrzahl der Wissenschaftler, die sich für Tierversuche einsetzen, leiten ihre Argumentation mit der Aussage ein, daß die Ergebnisse von Tierversuchen dazu verwendet werden, den Menschen heimsuchende Krankheiten behandeln oder gar ihr Ausbrechen verhindern zu können. Im nächsten Argumentationsschritt stellen sie klar, daß wir uns angesichts der Qualen, welche die Tiere zu erleiden haben, nicht beunruhigen müssen, da Tiere ja ganz anders sind als Menschen.

Diese beiden Argumente passen nicht so recht zusammen.

Wenn Tiere den Menschen ähnlich genug sind, um Ärzte die Versuchsergebnisse schätzen zu lassen, dann sind die Tausenden von tagtäglich durchgeführten barbarischen Experimente aus moralischen und ethischen Gründen unerträglich und unentschuldbar.

Unterscheiden sich Tiere dagegen so grundlegend von Menschen, daß sie nicht leiden, wo Menschen ohne Zweifel die entsetzlichsten Qualen empfinden würden, dann müssen die Versuchsergebnisse wertlos sein.


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Der »Gnadentod« konnte laut Hitlers Schreiben vom 1.9.1939 an Reichsleiter Bouhler »unheilbar Kranken« gewährt werden. Auch wenn sie es vehement bestreiten: Die moralisch-ethische Perversion ist auch bei Genforschern die gleiche. Bestehen doch schon Absichten, den sog. Gen-Code für Menschen einzuführen, an dem dann u.a. abzulesen ist, für welchen Beruf er sich eignet und ob er zu Krankheiten neigt. Da ist es dann ökonomischer, den Menschen gleich zu entsorgen, anstatt ihn auf Kosten der Allgemeinheit durchzufüttern.


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Von der Auffassung, daß ein Menschenleben im Vergleich zu einer neuen Erkenntnis wertlos sei (US-Wissenschaftler), zur Beseitigung »unwerten« Lebens, ist es nur ein kurzer Schritt und von der Anmaßung der Genforscher, sie seien in der Lage, gutes von schlechtem, also wertlosem »Genmaterial« zu unterscheiden, zur Ermordung von »Erbkranken«, wie bei den Nazis, ist es noch ein kürzerer Schritt. Die Illustration stammt aus »Volk und Rasse« von 1936. Stellen auch bei uns bald die Genforscher die Rechnung auf, wieviel es kostet, Menschen mit »schlechtem Genmaterial« bis zum Rentenalter »durchzuschleppen«?


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Halbverhungerte KZ-Kinder mit furchtbaren Brandwunden am ganzen Körper nach medizinischen Versuchen in Auschwitz


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Der Stabsarzt der Luftwaffe Siegmund Rascher (links) führt an einem KZ-Häftling zusammen mit einem Assistenten Unterdruck- und Unterkühlungsversuche aus. Natürlich bei vollem Bewußtsein des Opfers. Wo ist der Unterschied zu Tierversuchen?

Die Blutspur aus den KZ's. Hier wurden grauenhafte Menschenversuche von Wissenschaftlern durchgeführt, die der Meinung waren, dem Fortschritt zu dienen. Das KZ war ein »rechtsfreier Raum« wie bei den Tieren. Und die Menschen im KZ waren nach der Nazi-Ideologie »Untermenschen«, also werlos. Genauso sehen die Wissenschaftler die Tiere, die sie quälen: als recht- und wertlos.

Die Fotos stammen aus dem ausgezeichneten Werk »Die Chronik der Medizin«, wobei es dem Harenberg-Verlag hoch anzurechnen ist, daß er die dunkelsten Kapitel deutscher Medizin nicht ausgelassen hat.


© 1993 by EHLERS Verlag, D-82054 Sauerlach
Wiedergabe aus EMJ (Europäisches Medizin Journal), Deutsche Ausgabe, Heft 7, 1994
mit freundlicher Erlaubnis von Hans-Joachim Ehlers


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