Tierversuche sind wissenschaftlich nicht vertretbar - Teil 4

Aus Tierversuchsgegner

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Der Draize-Test, Beispiel für anatomische, physiologische und chemische Unterschiede zwischen Tier und Mensch.


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Das ist die vierte und letzte Folge einer sehr gründlichen Arbeit, die belegt, daß Tierversuche nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch gefährlich für Patienten und Verbraucher sind, da aus diesen Versuchen falsche Rückschlüsse gezogen werden. Am Beispiel des sogenannten Draize-Tests, bei dem Kaninchen-Augen dazu herhalten müssen, chemische Reizstoffe zu testen, beweist Dr. Hartinger eindeutig, wie unnötig solche Versuche sind und welch gefährliche Auswirkungen diese Tests auf den Menschen haben.



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Tierversuche sind wissenschaftlich nicht vertretbar (german original)
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Der Draize-Test

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Eine der ältesten, vielfach als untauglich für den Menschen beurteilten, aber trotz wesentlich besserer Ersatzmethoden auch heute noch praktizierten Verträglichkeitsuntersuchungen ist der Draize-Test am Kaninchenauge.

Er wurde 1944 von dem bei der Food and Drug Administration (FDA) in USA angestellten Toxikologen John M. Draize entwickelt und sollte vorwiegend zur groben Bestimmung giftiger Industrie-Chemikalien am Arbeitsplatz dienen. Für den Test werden gewöhnlich sechs Albino-Kaninchen mechanisch bewegungsunfähig gemacht und die zu testende Substanz jedem in ein Augenlid eingegeben; Betäubungsmittel werden nicht verabreicht. Im Abstand von 1, 24, 48 und 72 Stunden bis zu 21 Tagen bewertet man visuell die am Auge eintretenden Schäden nach einer Skala von 4 oder 6 Stufen.

Dieser Kontakt mit hoch konzentrierten, ätzenden chemischen Substanzen führt zu ausgedehnten schweren Zerstörungen des Auges sowie häufig zur Erblindung und auch zum Tod des Tieres. Es ist bekannt, daß die an sich stummen Tiere vielfach vor Schmerzen schreien!

Selbst Draize stellte fest, daß sein Test sehr problematisch sei und wissenschaftlichen Anforderungen nicht entspräche. Die Chemikalien hätten häufig beim Menschen ganz andere Wirkungen, als die tierischen Testresultate erwarten ließen. Darrol S. Weil und Robert A. Scala, bekannte Toxikologen der Varbegie Mellon-Universität, verteilten deshalb 1972 an 24 verschiedene universitäre und staatliche Laboratorien Prüfsubstanzen zur vergleichenden Ergebnisbeurteilung. Das Resultat war katastrophal. Diese damals seit 30 Jahren und auch heute noch angewandte Methode zur Beurteilung des Schweregrades von Augenreizungen für den Menschen zeigte in allen Labors bei der gleichen Tierspezies regelmäßig unterschiedliche Ergebnisse bis zur Gegensätzlichkeit (26).

Die Gründe für diese unverwertbar unterschiedlichen Resultate von Tier zu Tier müssen vorwiegend auf die subjektiv-visuelle Beurteilung des klinischen Befundes und eine nicht nach einheitlichen Richtlinien angewandte Skala gesucht werden, obwohl damit nicht die enormen Wirkungsunterschiede bis zu 100% zu begründen sind. Daß diese Ergebnisse dann nicht auf den Menschen übertragen werden können, dafür sind folgende anatomische, physiologische und chemische Unterschiede zwischen Tier und Mensch verantwortlich:

  1. Das Kaninchenauge hat keine Tränendrüsen wie der Mensch und die Schmerzschwelle durch Augenschädigung liegt bei ihm wesentlich höher. Aus beiden Gründen werden deshalb seine Augen von der Tränenflüssigkeit nicht so rasch gesäubert wie beim Menschen.
  2. Im Gegensatz zum Menschen hat das Kaninchenauge eine Nickhaut, deren Reaktion auf die verwendete Substanz selbst von Tier zu Tier stark unterschiedlich ist.
  3. Die Nickhaut des Kaninchens entfernt die eingebrachten Substanzen auf andere Weise und besser als beim Menschen.
  4. Beim Menschen bilden sich als Reaktion auf bestimmte Substanzen in der äußeren Hornhautschicht sogenannte Hautvakuolen, beim Tier nicht.
  5. Die vordere Basalmembran ist beim menschlichen Auge sechsmal dicker.
  6. Die Hornhaut nimmt beim Kaninchenauge 25% der Augenoberfläche ein, beim Menschen nur 7%.
  7. Der pH-Wert der Tränenflüssigkeit des Menschen ist mit 7,1 bis 7,3 bedeutend niedriger als beim Kaninchen mit 8,6.

Daß die Ergebnisse des Draize-Tests auch nicht auf die Anwendungsgefahr beim Menschen hinweisen, belegt die erstaunlich fachliche und juristische Beurteilung der Versuchsresultate: Bei der typischen Versuchsanordnung mit sechs Kaninchen stuft man die getestete Substanz dann als Reizstoff ein, wenn mindestens zwei der Tiere eine Augenreizung aufweisen. Wenn jedoch nur ein Tier der sechs diese Symptome bekommt, wird die Substanz nicht als Reizstoff betrachtet!

Zahlreiche Substanzen bestehen den Draize-Test nicht, doch sie werden trotzdem vermarktet. Die Kosmetikfirma Clairol vertreibt ein Produkt, obwohl Reizwirkungen bis zu bleibenden Schäden nachgewiesen wurden; auf der Packung steht:

»Vorsicht, dieses Produkt darf nicht zum Färben von Augenwimpern oder -brauen verwendet werden, da dies zur Erblindung führen kann! Sofortige ärztliche Behandlung wird empfohlen!«

Offensichtlich ist damit die Gefahr einer Produkthaftung juristisch abgewendet!

Viele Produzenten führen deshalb keine Tierversuche mehr durch oder haben nie welche durchgeführt; sie verwenden für ihre Produkte nur solche Wirk- und Zusatzstoffe, die bereits als unbedenklich bekannt und eingestuft sind. Die FDA führt ein Verzeichnis für solche GBAS-Substanzen (GBAS = Generally Recognized as Safe) (27).

Für die Ausführlichkeit der Darstellung dieser tierexperimentellen Testmethoden wird um Verständnis gebeten. Sie ist jedoch notwendig, um die Vielschichtigkeit der Tierversuchs-Ideologie, die praktische Unmöglichkeit der Ergebnisvoraussage und -übertragung, die selten angesprochenen juristischen Hintergründe und die Tendenzen der Befürworter erkennen zu können.

Ein Wort zu den Ersatzmethoden

Es ist mehr als unbefriedigend nur festzustellen, daß zwischen Mensch und Tier so erhebliche, unvorhersehbare Wirkungs- und Verträglichkeitsunterschiede bestehen und unverständlich, daß erst in jüngster Zeit unter dem Protest der Tierversuchsgegner aus wissenschaftlichen, verbraucherbezogenen und tierschützerischen Aspekten mit erstaunlicher Zurückhaltung nach Ersatzmethoden mit sicherer Voraussage und Übertragbarkeit gesucht wird.

Was nutzen denn die bisher erarbeiteten Alternativmethoden, die von der Wissenschaft seit langem anerkannt und sogar als besser, sicherer und aussagekräftiger für den Menschen bezeichnet werden? Man wendet sie nicht an, weil einerseits ihre Validierung seit Jahren verzögert wird, obwohl kein einziger Tierversuch je validiert wurde. Andererseits, wenn sie gesetzlich anerkannt werden, sind sie neben den Tierversuchen auch zugelassen, aber nicht alleine gefordert. Bei der gegenwärtigen zivilrechtlich noch nicht abgeklärten Situation, ob die Alternativmethoden die gleichen haftungsentbindenden Folgen für den Produzenten haben wie die Tierversuche, und beim Verkaufsinteresse seiner Produkte in andere Länder werden weiterhin umfangreich die Toxizitätsprüfungen am Tier mit dem LD-50-Test oder seinen Variationen vorgenommen. Auch dieser Umstand ist hinlänglich bekannt und in der Gesetzgebung dafür ausreichend entsprechende Möglichkeiten eingeräumt (28).

Das sind allgemein anerkannte Fakten, die jedoch bedauerlicherweise im Sinne einer ausgewogenen Verbraucherinformation kaum veröffentlicht werden. Dieser nicht vollständige Einblick in die vielschichtige Problematik der Tierversuchsideologie soll zeigen, daß die Tierversuchsgegner keineswegs irrationale Idealisten oder gar Terroristen sind, wie dies kürzlich zu hören war. Es geht auch nicht darum, die Wissenschaft zu verteufeln, sondern zum wirklichen Schutz von Mensch, Tier und Umwelt den Mißbrauch in ihrem Namen aufzuzeigen.

Das Versagen der Verantwortlichen liegt in der zweckgerichteten einseitigen Interpretation noch nicht restlos geklärter biologisch-phäsiologisch-pathologischer Prozesse, in der interessensbegründeten Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und in der Überschätzung von Fachwissen und Objektivität vieler sogenannter Experten. Ohne persönliche Haftung versprechen sie Sicherheiten durch Berechnung von unberechenbaren Fakten der Lebensvorgänge, bei unvertretbarer Verlagerung des Anwendungsrisikos auf den Verbraucher.

Wer sich dem aufklärenden Tier- und Menschenschutz zugewendet hat, betrachtet alle Teile der Schöpfung als eine gleichermaßen zu schützende Einheit, deren Integrität nicht aus Profitdenken einzelner geschädigt oder vernichtet werden darf. Er nimmt bei seiner Öffentlichkeitsarbeit die Diskreditierungen derjenigen in Kauf, die in unserer Mitwelt lediglich gewinnoptimierende Verwertungsobjekte sehen.

Wenn die Feststellungen der Tierversuchsbefürworter zutreffen, daß der Mensch »mit beiden Beinen im Tierreich stehe« und alle bei ihm zu findenden biologischen Reaktionen in gleicher Weise bei den Tieren zu finden seien, weil er eine Weiterentwicklung des Tieres im Sinne der Darwin'schen Evolutionstheorie sei, dann steht dies in unüberbrückbarem Widerspruch zu den unvorhersehbaren Wirkungs- und Verträglichkeitsunterschieden. Deren lakonische Zurkenntnisnahme, Inkaufnahme mit Risikoverlagerung auf den Konsumenten, kann nicht akzeptiert werden und ist lediglich Ausdruck einer unzureichenden Erkenntnisgrundlage oder einer Fehlinterpretation.

Solange diese Widersprüche nicht geklärt sind und auf solchen zweifelhaften theoretischen Experimentgrundlagen gravierende Schäden für den Verbraucher resultieren, dürften nur Substanzen und Medikationen zugelassen werden, deren Unschädlichkeit eindeutig nachgewiesen wurde. Mittels Tierversuch ist das nicht möglich!

Wissenschaftler, Wirtschaft und Behörden sind darum aufgerufen, entsprechend sichere Untersuchungsmethoden an schmerzfreier Materie zu erarbeiten und die bereits vorhandenen, von der Wissenschaft als aussagekräftiger bezeichneten Alternativmethoden nun endlich einzuführen. Da nach bisherigen Erfahrungen nicht angenommen werden kann, daß aus mitgeschöpflichen Erwägungen von sich aus auf bisherige ungerechtfertigte Privilegien verzichtet wird, ist ein Verbot der Tierversuche in Wirtschaft und Wissenschaft solange zu fordern, bis Gesundheit und Wohlergehen von Mensch und Tier aus Erkenntnisgründen über wirtschaftliche Interessen gestellt werden.

Die ständig zunehmenden Meldungen über Umweltzerstörung, Giftschäden und aussterbende Tierarten als Spitze eines Eisberges unbekannter Dimension sollten eindringlich vor Augen führen, daß solche wissenschaftlich sanktionierten und propagierten Verhaltensweisen mit indoktriniertem Lebensstil nicht nur unsere Krankheiten verursachen, sondern daß wir auf diese Weise unsere Lebensexistenzgrundlagen zerstören.

Die dargelegten Umstände und Folgen der unverantwortlichen Tierversuchsideologie sollten aus moralischen und wissenschaftlichen Erwägungen im Interesse von Mitmensch, Mitgeschöpf und Umwelt zu einer kritischen Bestandsaufnahme und zu einem notwendigen Umdenkungsprozeß führen, bevor es zu spät ist. Die pessimistische Feststellung eines bekannten Dichters darf sich nicht bewahrheiten, daß es für viele nur ein Heilmittel gibt: die Katastrophe.

Wenn die humanmedizinische Forschung nach den angeführten naturwissenschaftlichen Kriterien vor ca. 150 Jahren den tierexperimentellen Weg mit Claude Bernard und seiner Begründung beschritten hat: »warum denken, wenn experimentiert werden kann«, dann erscheint es im Interesse von Mensch und Tier höchste Zeit, diese auf Tierversuchen und Denkverzicht basierende Medizin- und Moralauffassung durch Denken und Verzicht auf Tierversuche zu ersetzen.


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© 1993 by EHLERS Verlag, D-82054 Sauerlach
Wiedergabe aus EMJ (Europäisches Medizin Journal), Deutsche Ausgabe, Heft 4/5/6/7, 1993
mit freundlicher Erlaubnis von Hans-Joachim Ehlers


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