Homotoxikologie nach Hans-Heinrich Reckeweg
Aus Tierversuchsgegner
Inhaltsverzeichnis |
Homotoxikologie
Was wir als Krankheiten bezeichnen, ist der Ausdruck der biologisch-zweckmäßigen Abwehrmaßnahmen gegen Toxine oder der Versuch des Organismus, erlittene Toxinschäden zu kompensieren, sagt die Homotoxikologie nach Reckeweg.
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Kurzfassung der Homotoxikologie ink. der Tabelle der Homotoxikosen (PDF, 250 kB) |
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Homotoxikologie
nach Dr. med. Hans-Heinrich Reckeweg Der Krankheitsbegriff: Alle jene Vorgänge, die wir als Krankheiten bezeichnen, sind der Ausdruck der biologisch-zweckmäßigen Abwehrmaßnahmen gegen exogene und endogene Homotoxine (Exkretions-, Reaktions-, Depositionsphasen) oder sie stellen den biologisch-zweckmäßigen Versuch des Organismus dar, erlittene Homotoxinschäden (Imprägnations-, Degenerations- und Neoplasmaphasen) zu kompensieren (Regulationen), um das Leben so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. |
Der Gesundheitsbegriff:Freiheit von Giften und Giftschädigungen. |
Vor dem Hintergrund der widerstreitenden medizinisch-therapeutischen Konzepten der Humoralpathologie, der Solidarpathologie, der Zellularpathologie, der Molekularpathologie bis hin zur modernen Kybernetik hat der deutsche Arzt Dr. Hans-Heinrich Reckeweg aufbauend auf der Homöopathie 1952 die Homotoxikologie als Ganzheitsschau einer Synthese der Medizin formuliert.
Er deutet die Krankheiten jeder Art und in jeder Phase als biologische Zweckmäßigkeitsvorgänge. Daraus ergeben sich für ihn logisch deduzierte Konsequenzen für die biologisch richtige Lebensführung und Vermeidung von Therapieschäden, insbesondere auch von genetischen Schäden, die bei der bisher üblichen Chemotherapie breiteste Bevölkerungskreise treffen und nicht zuletzt auch für das beängstigende Anwachsen der degenerativen Erkrankungen hauptverantwortlich sind.
Als ein Kernsatz der Homotoxikologie formuliert Reckeweg, daß Krankheiten Ausdruck eines Abwehrkampfes des kybernetisch gesteuerten Fließsystems Mensch gegen endogene und exogene Homotoxine sind. Ferner sind Krankheiten der Versuch, homotoxisch bedingte Giftschädigungen wieder auszukompensieren. [...]
Zunächst werden die Grundsätze der Homotoxinlehre, wie sie von Reckeweg formuliert worden sind, wieder gegeben.
Grundsätze der Homotoxinlehre von Reckeweg
- Alle Lebensäußerungen beruhen auf der Umsetzung chemisch-faßbarer Verbindungen. Chemische Wirkstoffe sind daher von entscheidender Bedeutung für Gesundheit und Krankheit.
Für den Menschen toxische Stoffe, die Abwehrmaßnahmen des Systems der Großen Abwehr (3.) hervorrufen, und zwar Phasen 2-6 (4. und 5.), werden als Homotoxine bezeichnet.
- Der Organismus ist ein Fließsystem (von Bertalanffy). Stoffe strömen ein, treten in Reaktion mit den Organen des Fließsystems, verändern diese, werden selbst dabei verändert und verlassen schließlich wieder das System. Zuträgliche Stoffe rufen keine Störungen des Fließgleichgewichtes hervor. Toxische Substanzen lösen Abwehrmaßnahmen aus, die als Krankheit imponiert. Krankheiten sind also Ausdruck der biologisch zweckmäßigen Abwehrmaßnahmen gegen endogene und exogene Homotoxine bzw. der Ausdruck erlittener Giftschäden, die der Organismus wieder auszukompensieren versucht.
- Das System der großen Abwehr, dessen Funktion es ist, sich gegen das verursachende Krankheitsgift zu richten, besteht aus folgenden Untersystemen:
- Retikuloendotheliales System (Humorale Abwehr): Giftspeicherung, Antikörperbildung.
- Abwehrmechanismus Hypophysenvorderlappen-Nebennierenrinde (Humorale Abwehr): Steuerung der NNR-Funktion und der Bindegewebsfunktion, Anregung und Hemmung von Entzündungen.
- Neurale Reflexabwehr (Neurale Abwehr): Exzitations- oder Irritationssyndrom. Neuraltherapie. Akupunktur.
- Leberentgiftung (Humorale Abwehr): Säurebildung, Giftspeicherung, Homotoxonkopplung. Properdinsystem.
- Entgiftungsfunktion des mesenchymaten Bindegewebes (Humorale und zelluläre Abwehr): Giftspeicherung, Antigen-Antikörper-Reaktion. Entzündungen. Bildung leukozytärer Zellen. Lymphozyten- und Makrophagenabwehr[Abb.1 fehlt]
- Bei dem Abwehrkampf gegen Homotoxine bzw. bei dem Versuchen des Organismus, Homotoxinschädigungen wieder auszugleichen, deren Störungen bzw. Regulationsmechanismen wir als Krankheiten bezeichnen, lassen sich sechs verschiedene Phasen einer Homotoxikose (d.h. einer Giftabwehrkrankheit) unterscheiden. Entweder scheidet der Organismus die Homotoxine über die physiologischen Pforten aus (Exkretionsphasen oder Ausscheidungsabschnitte), oder die Homotoxine werden in gesteigerter, pathologischer Weise ausgeschieden, z.B. als Eiter u.a. (Reaktionsphasen oder Antwortabschnitte) oder sie werden abgelagert (Depositionsphasen oder Ablagerungsabschnitte). in diesen ersten drei Phasen ist der Körper mit den Homotoxinen fertiggeworden, sie haben seinen Organen und Zellen nicht geschadet, sondern sie sind unschädlich gemacht, entgiftet worden.
| Anmerkung: Der schwarze Balken ist der sog. »Biologische Schnitt«. | Heilung <----------------------> Siechtum | ||||||
| Humorale Phasen Krankheiten der Disposition | Zelluläre Phasen Krankheiten der Konstitution | ||||||
| Gewebe | Exkretions- phasen | Reaktions- phasen | Depositions- phasen | Impränations- phasen | Degenerations- phasen | Neoplasma- phasen | |
| 1. Ektodermale a) epidermale | Schweiß, Zerumen, Talg u.a. | Furunkel, Erythem, Dermatitis, Ekzem, Pyodermien u.a. | Atherome, Warzen, Keratosen, Clavi u.a. | Tätowierung, Pigmentierung u.a. | Dermatosen, Lupus vulgaris, Lepra u.a. | Ulcus rodens, Basaliom u.a. | |
| b) orodermale | Speichel, Schnupfen u.a. | Stomatitis, Rhinitis, Soor u.a. | Nasenpolypen, Zysten u.a. | Leukoplakie u.a. | Ozaena, Rhinitis atrophicans u.a. | Ca. d. Nasen- u. Mundschleimhaut | |
| c) neurodermale | Neurohormonale Zellabsonderung u.a. | Poliomyelitis im Fieber-Stadium, Herpes zoster u.a. | benigne Neurome, Neuralgien u.a. | Migräne, Tics u.a., Virus-infektion (Poliomyelitis) | Paresen, Multiple Sklerose, Opticusatrophie, Syringomyelie u.a. | Neurom, Gliosarkom u.a. | |
| d) sympathikodermale | Neurohormonale Zellabsonderung u.a. | Neuralgien, Herpes zoster u.a. | benigne Neurome, Neuralgien u.a. | Asthma, Ulcus ventr. ot duodeni u.a. | Neurofibromatose u.a. | Gliosarkom u.a. | |
| 2. Entodermale a) mukodermale | Magen-Darm-Sekrete, CO2, Sterkobilin u.a., Toxine mit Faeces | Pharyngitis, Laryngitis, Enteritis, Colitis u.a. | Schleimhautpolypen, Obstipation, Megacolon u.a. | Asthma, Heiserkeit, Ulc. ventr. et duod., Karzinoid-Syndr. u.a. | Tuberkulose der Lunge u. d. Darms u.a. | Ca. d. Larynx, Magens, Darms, Rektums u.a. | |
| b) organodermale | Galle, Pankreassaft, Hormone | Parotitis, Pneumonie, Hepatitis, Cholangitis u.a. | Silicosis, Struma, Cholelithiasis u.a. | Toxische Leberschäden, Lungeninfiltrat, Virus-Infekte u.a. | Leberzitthose, Hyperthyreose, Myxödem u.a. | Ca. d. Leber, Gallenblase, Pankreas, Thyreoidea, Lungen | |
| 3. Mesenchymale a) interstitiodermale | Mesenchymale Interstitialsubstanz, Hyaluronsäuren u.a. | Abzeß, Phlegmone, Karbunkel u.a. | Adipositas, Gichttophi, Ödeme u.a. | Vorstadien von Elephantiasis u.a., Grippe-Virus-Infekt | Sklerodermie, Kachexie, Hottentottenschürzen u.a. | Sarkom verschiedener Lokalisation u.a. | |
| b) osteodermale | Hämopoese u.a. | Osteomyelitis u.a. | Hackensporn u.a. | Osteomalazie u.a. | Spndylitis u.a. | Osteosarkome u.a. | |
| c) hämodermale | Menses, Blut- u. Antikörperbildung | Endocarditis, Typhus, Sepsis, Embolie u.a. | Varizen, Thromben, Sklerose u.a. | Angina pectoris, Mykokardose u.a. | Myocardinfarkt, Panmyelophthise, Anämia pemic u.a. | Myeloische Leukämie, Lymphosarkome u.a. | |
| d) lymphodermale | Lymphe u.a., Antikörperbildung | Angina tonsillaris, Appendizitis u.a. | Lymphdrüsenschwellung | Lymphatismus u.a. | Lymphogranulomatose u.a. | Lymphat. Leukämie, Lymphosarkome u.a. | |
| e) cavodermale | Liquor, Synovia | Polyarthritis u.a. | Hydrops u.a. | Hydrocephalus u.a. | Coxarthrose u.a. | Chondrosarkome u.a. | |
| 4. Mesodermale a) nephrodermale | Urin mit Stoffwechsel- Endprodukten | Cystitis, Pyelitis, Nephritis u.a. | Prostatahypertophie, Nephrolithiasis u.a. | Albuminurie, Hydronephrose u.a. | Nephrose, Schrumpfniere u.a. | Nieren-Karzinom, Hypernephrom u.a. | |
| b) serodermale | Absonderung der serösen Häute | Pleuritis, Pericarditis, Peritonitis u.a. | Pleuraexsudat, Ascites u.a. | Vorstadien von Tumoren e.a. | Tbk. der serösen Häute u.a. | Ca. der serösen Häute u.a. | |
| c) germinodermale | Menses, Semen, Prostatasaft, Ovulation u.a. | Adnexitis, Metritis, Ovariitis, Salpingitis, Prostatitis u.a. | Myome, Prost. hyp., Hydrocele, Zysten, Ovarialsyste u.a. | Vorstadien von Tumoren (Adnexe, Uterus, Hoden u.a.) | Impotentia virilis, Sterilität u.a. | Ca. d. Uterus, der Ovarien, Testes u.a. | |
| d) muskulodermale | Milchsäure, Laktazidogen u.a. | Muskelrheuma, Myositis u.a. | Myogelosen, Rheuma u.a. | Myositis ossificans u.a. | Dystrophia musculorum progressiva u.a. | Myosarkome u.a. | |
| Quelle: Heel, Ordinatio antihomotoxica et materia medica | Exkretionsprinzip. Fermente intakt. Selbstheilungstendenz. Prognose günstig. | Kondensationsprinzip. Fermente geschädigt. Verschlimmerungstendenz. Prognose dubios. | |||||
- Wirken jedoch besonders gefährliche Homotoxine ein (Karzinotoxine, lipoidlösliche organische Verbindungen und sonstige) oder werden die als Phasen 1-3 erkannten, biologisch zweckmäßigen Abwehrvorgänge in ihrem Ablauf gestört, gehemmt bzw. wird die Entgiftung und Ausscheidung der Homotoxine - die sich übrigens in den Ausscheidungsprodukten wieder finden lassen - unterbunden, so schädigen die beteiligten Homotoxine als Retoxine (Rückgifte), jedoch auch fermentblockierend und mutativ wirkende Chemotherapeutika usw. intrazelluläre Strukturen, oft die eines anderen Keimblattes, zumal dieses Zurückdrängen der Homotoxine vielfach nur mittels fermentschädigender Therapeutika möglich ist. Daraus ergeben sich die Imprägnationsphasen (Rückvergiftungsabschnitte, durch Eindringen von Homotoxinen oder Retoxinen in das innere der Zelle charakterisiert), die ihrerseits latent bleiben können und einen Locus minoris resistentiae darstellen, ferner bei wiederholter Rückvergiftung die Degenerationsphasen oder Entartungsabschnitte, gekennzeichnet durch Zerstörung intrazellulärer Strukturen (Fermente, Gene), und die Neoplasmaphasen (Neubildungsabschnitte, Auftreten von Krebs bei Ein- und Mitwirkung von Karzinotoxinen, Anoxämie u.a.).
Von Phase 4-6 an erliegt der Körper zunehmend der Giftwirkung der Homotoxine. Auch in den Phasen 4-6 versucht der Organismus das Leben so lange wie möglich und auf die bestmögliche Weise zu erhalten, indem z.B. über Fisteln Homotoxine abgeeitert werden, mittels Ausscheidung von Glukose (Diabetes mellitus) ein dauerndes Kalorienüberangebot ausgeglichen werden soll, was ebenfalls in biologisch möglicher Weise sonst über die Ablagerung (Depositionsphasen) in bindegewebigen Strukturen als möglichst kalorienreiches Speichermaterial (Adipositas) versucht wird. Jeder Stoff im Übermaß kann also homotoxisch wirken, ebenso wie ein Fehlen wichtiger, für die Aufrechterhaltung des Fließgleichgewichtes erforderlicher organischer oder anorganischer (Spurenelemente) Faktoren Homotoxinwirkungen auslöst (z.B. auch aufgrund des Fehlens erforderlicher Koppelungsfaktoren), denn aus zwei Homotoxinen, oder aus einem Homotoxin und einem anderen Wirkfaktor bilden sich im intermediären Stoffwechsel oder bei der Entzündung usw. die sog. Homotoxone, d.h. entgiftete Homotoxine.
HOMOTOXIN
(giftig)+ HOMOTOXIN
(giftig)= HOMOTOXON
(ungiftig)Abb. 3
- Mehrere sich folgende Krankheiten (Phasen) sind vielfach als ein einheitlicher Giftabwehrvorgang gegen ein und dasselbe Homotoxin anzusehen. Die verschiedenen Gewebe der drei Keimblätter reagieren verschieden mit den phasenauslösenden Homotoxinen, woraus der Symptomenwechsel resultiert. Den Vorgang des Gewebewechsels der Homotoxine nennt man Vikariationseffekt oder Vikariationsphänomen. Dieser Vorgang des Phasenwechsels bzw. des Gewebewechsels der Homotoxine entspricht dem Übergang einer Krankheit in eine meist völlig andere.
- Als progressive Vikariation wird die Verschiebung der Phase von links nach rechts und (oder) nach unten bezeichnet, umgekehrt als regressive Vikariation biologisch zu begrüßen und meist durch die wieder in Gang kommende Entgiftung charakterisiert ist, verbunden mit der Tendenz zur Ausscheidung der Homotoxine (Exkretionsprinzip) und oft charakteristisch in Erscheinung tretenden Rezidiven früherer Phasen, mit denen Wiedererscheinen die Rückgiftung abklingt (Abb. 4).
Abb. 4: Durch die allopathische Therapie werden infolge Schädigung oder Blockierung von Fermentfunktionen biologisch gefährliche, progressive Vikariationen ausgelöst, während durch die biologische Therapie erwünschte regressive Vikariationen bedingt werden, charakterisiert durch Wiederingangsetzen gestörter Fermentfunktionen
- Durch Einordnung der Phasen auf der Abszisse und der von den Homotoxinen befallenen Gewebe auf der Ordinate erhält mann die Tabelle der Homotoxikosen (oder der homotoxischen Phasen, 6-Phasen-Tabelle). Links oben sind die harmlosesten Ausscheidungsvorgänge projiziert (ektodermale Exkretionsphasen), während rechts unten die bösartigsten Krebsphasen, Myosarkome, ihren Platz haben. Die Tabelle bietet eine charakteristische Einordnungsmöglichkeit der verschiedenen Phasen nach ihrer biologischen Wertigkeit (Abb. 2). So sind die ersten drei Phasen humorale Phasen, bei denen das Exkretionsprinzip vorherrscht, keine Fermentschädigungen vorliegen und eine Selbstheilungstendenz mit günstiger Prognose vorliegt, während bei den Phasen 4 bis 6, den zellulären Phasen, eine ungünstige Prognose vorliegt bei Zellfermentschädigungen, Kondensationsprinzip der Homotoxine, charakterisiert durch stete Verschlimmerungstendenz, wobei die zellulären Phasen letztlich generell in den Neoplasmaphasen als Endphasen der Homotoxikosen, d.h. im Krebsgeschehen einmündet.
- Eine markante Trennungslinie, der Biologische Schnitt, unterteilt die Phasentabelle in zwei gleiche Teile. Er verläuft zwischen der 3. und 4. Phase (Depositions- und Imprägnationsphase) und scheidet die verschiedenen pathogenetischen und therapeutischen Prinzipien.
- Ausweichphasen sind Exkretions-, Reaktions- und Depositionsphasen (also Phasen 1-3), die neben einer latenten Phase 4-6 parallel laufen (z.B. Furunkel bei Diabetes, Fistula ani bei Tbc der Lungen oder Präkanzerose des Rektums), durch deren Giftausscheidung die Manifestierung der zellulären Phase verhindert wird. Wenn die Ausweichphase gewaltsam beseitigt wird, so ist die Gefahr der progressiven Vikariation in die (bisher larvierte) zelluläre Phase in bedenkliche Nähe gerückt.
Diese Ausweichphasen sind praktisch identisch mit den Stoffwechsel-Notausgängen bzw. den biologischen Notausgängen bzw. den metabolischen Nebenwegen nach Prof. Dr. J. Kühnau (Physiologisch-Chemisches Institut der Universität Hamburg), worüber im "Deutsches Ärzteblatt" Nr. 15, 1018-1021 (1969) berichtet wurde (Schule der Molekularbiologie [ll]: Das Prinzip der metabolischen Konkurrenz).
- Damit werden alle als Krankheit bezeichneten Vorgänge als naturgerechte Zweckmäßigkeitsvorgänge definiert, die der Unschädlichmachung, Entgiftung und Ausscheidung der Homotoxine dienen, wobei es zu einer Koppelung von ein oder zwei Homotoxinen (evtl. mit einem intermediären Entgiftungsfaktor wie Glukuronsäure, Glykokoll u.a.) zu einem neuen, ungiftigen Körper kommt, dem Homotoxon. Dieser Vorgang der Homotoxonkoppelung (Abb. 3) beherrscht das gesamte Geschehen der physiologischen Chemie, Enzymologie, u.a. auch der Molekularen Biologie. Die Homotoxone finden sich als Eiter, seröses Exsudat, jedoch auch in den physiologischen Ausscheidungen wie Faeces, Urin, Speichel, Schweiß.
Anstelle von Krankheit spricht man besser und unmißverständlicher, um den tatsächlichen, physiologisch-chemischen Gegebenheiten der Lebensvorgänge gerecht zu werden, von den vikariirenden Phasen einer Homotoxikose (siehe 2.).
- Durch biologische Heilmittel und -methoden wird die naturgerechte Homotoxonkoppelung (evtl. über die fieberhafte und kritische Steigerung einer Heilreaktion) in die Wege geleitet, beschleunigt, gefördert und stets im Sinne der Ausscheidung angeregt. Die Homotoxine verbrennen im Feuer der Reaktionsphase (Reckeweg).
Jede homotoxische Störung erfordert in Anbetracht der vielen Zivilisations- und Therapieschäden auch vielseitige Kombinationen von Gegengiftfaktoren. Dabei steht diese auf der praktischen Erfahrung basierende Methodik einer kombinierten Wirkungsausrichtung allerdings im Gegensatz zu der heutigen Tendenz, nur einen einzigen Wirkstoff in einem Pharmakon zu verarbeiten, um die Wirkung besser überblicken zu können. Diese "Einwirkstoff-Therapie" trägt den Charakter eines Experimentes und geht ohne Zweifel auf Kosten des Patienten. Wenn alle Krankheitsabläufe als vikariierende Phasen einer Homotoxikose identifiziert werden, so eröffnen sich dem Therapeuten sichere Richtlinien dafür, welche Maßnahmen biologisch richtig und für den Patienten zweckmäßig, welche wiederum gefährlich und zu vermeiden sind.
Internationale Gesellschaft für Homotoxikologie und antihomotoxische Therapie e.V. , Postfach 504, D-76483 Baden-Baden
Wesen und Bedeutung der Homotoxikologie
von Dr. Adrian Spechtler
Es war nun das Verdienst Reckenwegs (1905-1985), der eine neue Sicht der Krankheitsentstehung formulierte, die später durch die Erkenntnisse Pischingers bestätigt wurde (1). Die Homotoxikologie ist jene naturheilkundliche Disziplin, die alle diese Vorgänge, Zustände oder Erscheinungen, die wir als Krankheit bezeichnen, als Ausdruck der biologischen zweckmäßigen körperlichen Abwehrmaßnahmen gegen endogene und exogene Homotoxine ("Menschengifte", Anthropotoxine, Belastungsfaktoren des Organismus ) und des Versuches der Kompensation von Schädigungen definiert (2). Diese Definition der Krankheit beinhaltet einerseits den Zeitfaktor als wesentliche Dimension im Geschehen jeder Erkrankung und betont andererseits die Bedeutung des jeweiligen individuellen Terrains, in dem die Homotoxine ihre krankmachende Wirkung entfalten (3).
Von dieser Erkenntnis ausgehend hat Reckeweg zwei wesentliche Folgerungen abgeleitet:
- Konzeption der Phasengliederung, und dadurch Beurteilung des Krankheitsgeschehens im zeitlichen Ablauf und
- Vorgang des Gewebewechsel innerhalb verschiedener Keimblätter während des zeitlichen Ablaufes.
GLIEDERUNG DES KRANKHEITSVERLAUFES
Die Gliederung des Krankheitsverlaufes erfolgt in sechs homotoxische Phasen [Homotoxinphasen (4, modifiziert nach 3)]:
- Exkretionsphase: Versuch des Organismus, sich mittels Steigerung der physiologischen Ausscheidungsmechanismen einer Noxe zu entledigen: Schwitzen, Durchfall, Erbrechen, Husten, Schnupfen, gesteigerte Schleimproduktion etc.
- Inflammationsphase, auch Reaktionsphase: akute, exsudative Entzündung: Versuch des Organismus, mittels Aktivierung des Gefäßbindegewebes und Endstromsystems die Stoffwechselvorgänge zu beschleunigen: lokale Entzündungen, Fieber, Leukozytose bzw. Lymphozytose.
- Depositionsphase: Folge des Versagens in Phase 1 und 2. Das Homotoxin (Noxe) kann nicht mehr eliminiert werden, es wird im Gewebe (ECM) deponiert. Dabei stellt sich ein labiles Wechselspiel zwischen Schadwirkungen und Abwehrvorgänge ein: chronisch proliferative Entzündung, z.B.: Lymphonodulitis, vergrößerte Lymphknoten, Tonsillenhyperplasie, adenoide Vegetationen, Schleimhauthypertrophie etc. Hauptlokalisation der chronischen Auseinandersetzung zwischen Homotoxin und Gewebe ist die Matrix. Die Zelle selbst reagiert mit Zellvermehrung, bleibt aber in Form und Funktion intakt.
- Imprägnationsphase: Festsetzen einer Fremdsubstanz im Gewebe: Die ortsfremde Substanz durchdringt die Gewebestruktur und wird Teil der Strukturierung. Durch funktionelle Überforderung und materielle Überladung der ECM wird der Stofftransport behindert, die Zelle wird vom Stoffwechselaustausch isoliert, es kommt zu Speicherungsphänomenen. Beispiele sind Mukopolysaccharidosen, Glykogenosen, Zystinose, Amyloidose, Hämosiderose, Silikose, Rheumaknoten, Steatose etc. Mit dem Zusammenbruch der Filterfunktion und der Zellschutzfunktion der ECM gehen die Regulationsmechanismen verloren.
- Degenerationsphase: Folge einer Dauerschädigung: Funktionsminderung u. Strukturänderungen Das pathologische Geschehen selbst verlagert sich von der Matrix hinaus in die Zelle. Klinische Ausdrucksformen: Fibrose, Sklerose, Zirrhose, Atheromatose, Nekrobiose, Demyelinisierung, Nekrobiose etc. Zum Unterschied zur 6. Phase ist die Degeneration noch in die hierarchische Ordnung des Organismus integriert.
- Dedifferenzierungsphase, letztlich mündend in die Neoplasmaphase: Verlassen der für einen Zelltyp charakteristische Form und Funktion in Richtung undifferenzierter, unspezialisierter Zellformen = Ausscheiden aus dem hierarchischen Ordnungssystem eines Organismus, Verlust der Zellspezifität, Dedifferenzierung durch Sauerstoffmangel, durch Einwirken vieler exogener Realisationsfaktoren (über die ECM) auf die zur malignen Entartung hin genetisch disponierten Organzelle kommt es zur Entdifferenzierung durch Umschalten (infolge chronischen Sauerstoffmangels) auf anaerobe, embryonale Formen der Energiegewinnung. Folge: Neoplasma
Der "Biologische" Schnitt
Nach Reckeweg ist dies die charakteristische Trennlinie zwischen humoralen und zellulären Phasen, zwischen den Krankheiten der Disposition und den Krankheiten der Konstitution. Er kann auch als Grenzlinie zwischen Noch-Selbstregulation (Selbsthilfe und Nicht-mehr-Selbstregulation (Selbsthilfe-Unvermögen) bezeichnet werden, morphologisch: zwischen Deposition und Imprägnation, klinisch: zwischen reparablen und (theoretisch) irreparablen Krankheiten.
Die Vikariation
Am Beispiel der Arsenvergiftung kann verfolgt werden, daß ein Homotoxin (= "Menschengift") bei anhaltender Einwirkung eine Erkrankungsphase in die nächste Phase führt. Diesen Vorgang nennt man Vikariation. Bei Fortschreiten der Erkrankung als progressiv und bei Rückführung als regressiv bezeichnet. Gleichzeitig mit dem Vorgang der Vikariation erfolgt auch ein Gewebs- bzw. Organwechsel der Abwehrvorgänge gegen das einwirkende Homotoxin, d.h. bei jedem Phasenwechsel kommt es auch zu einem charakteristischer Gewebswechsel. Damit ist im Krankheitsablauf als wesentliches Element der Zeitfaktor zu berücksichtigen, d.h. das Phasensystem ist immer im Zeitgefüge zu sehen.
Die Zuordnung einer Erkrankung zu einer Phase gibt Auskunft, auf welcher "Verteidigungslinie" die Auseinandersetzungen mit den Krankheitsnoxen stattfindet und wo der Schwerpunkt der Behandlungsmaßnahmen anzusetzen hat (5).
Literatur:
- PISCHINGER: Das System der Grundregulation. Haug 1990
- JOHN, J.: Antihomotoxische Therapie; in: Dokumentation der besonderen Therapierichtungen und natürlichen Heilweisen in Europa, Band I, 1. Halbband. VGM 1991
- SCHMID, F.: Aktualisierung der Reckewegschen Phasengliederung. Biol.Med. 1: 3 - 9, 1996
- RECKEWEG, H-H.: Homotoxikologie. Aurelia 1981
- SCHMID, F.: Antihomotoxische und Organotherapie als synergistisches Konzept. Biol. Medizin ? 2: 73 - 78 7 1994
- JOHN, J.: Grundlagen der antihomotoxischen Therapie. Biol. Medizin 4: 672-685; 1991
Tabelle der Homotoxikosen

Links
Begegnung von Dr. med. dent. Johann Georg Schnitzer mit Dr. med. Hans-Heinrich Reckeweg