Die Referenz zu Tierversuchen: Rechtslage und Zahlen

Aus Tierversuchsgegner

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Was sind Tierversuche? Welche Versuche gelten nicht als Tierversuche? Welche Versuche werden an wievielen Tieren welcher Spezies durchgeführt? Hier steht es!


Inhaltsverzeichnis

Was sind Tierversuche im Sinne des Tierschutzgesetz?

Tierschutzgesetz § 7.1
Tierversuche im Sinne dieses Gesetzes sind:
Eingriffe
Behandlungen
zu Versuchs-
zwecken
an Tieren wenn sie mit Schmerzen
Leiden
Schäden
für diese Tiere verbunden sein können.
am Erbgut von Tieren die erbgutveränderten Tiere
oder deren Trägertiere





Welche Tierversuche fallen nicht unter diese Definition?

Tierschutzgesetz § 6 a + § 7.1
Keine Tierversuche im Sinne des Gesetzes sind:
vollständiges
teilweises
Amputieren von Körperteilen ggfl. mit Todes-
folge, Zwecks
Transplantation
Anlegen von Kulturen
Untersuchung isolierter Organe, Gewebe, Zellen
Aus-, Fort- und Weiterbildung
Herstellung von Produkten, z.B. Impfstoffen, Sera
Entnehmen
Zerstören
von Organen
Geweben
Eingriffe
Behandlungen
zu Versuchs-
zwecken
an Tieren wenn sie nicht mit Schmerzen
Leiden
Schäden
für diese Tiere verbunden sein können.
am Erbgut von Tieren die erbgutveränderten Tiere
oder deren Trägertiere




Welche Tierversuche sind gesetzlich verboten ?

Tierschutzgesetz § 7.4+7.5
Verboten sind Tierversuche
zur Entwicklung
zur Erprobung
von Waffen
Munition
dazugehörigem Gerät
zur Entwicklung von Tabakerzeugnissen
Waschmitteln
Kosmetika (AUSNAHMEN!)


Welche Tierversuche sind gesetzlich erlaubt?

Tierschutzgesetz § 7.2
Tierversuche dürfen nur durchgeführt werden, soweit
sie zu einem der folgenden Zwecke unerläßlich sind:
Vorbeugen
Erkennen
Behandeln
von Krankheiten
Leiden
Körperschäden
körperlichen Beschwerden
bei Mensch
Tier
Erkennen
Beeinflussen
von physiologischen Zuständen
physiologischen Funktionen
bei Mensch
Tier
Erkennen von Umweltgefährdungen
Prüfung von Stoffen
Produkten
auf ihre Unbedenklichkeit
für die Gesundheit von
Mensch
Tier
auf ihre Wirksamkeit
gegen tierische Schädlinge
Grundlagenforschung





Anzahl der Versuchstiere (BRD)
nach Spezies und Jahr

Spezies 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995
Mäuse 1.301.687 1.241.757 1.223.741 1.064.883 973.106 868.312 821.888
Ratten 696.832 630.172 611.530 558.516 508.769 459.781 439.010
andere Nager 34.094 30.854 25.905 21.083 27.492 23.985 25.537
Kaninchen 76.165 72.839 70.228 63.210 52.188 44.126 41.565
Menschenaffen 132
Hunds- + Breitnasenaffen 1.689 2.081 1.547 1.032 1.172 1.447 1.362
Halbaffen 50 226 116 33 125 178 126
Hunde 8.089 6.977 6.517 6.007 5.551 6.067 5.318
Katzen 2.734 2.167 1.921 1.725 1.127 1.067 1.037
andere Fleischfresser 295 333 228 365 248 318 249
Pferde, Esel, usw. 169 214 217 284 200 151 275
Schweine 9.802 11.778 12.158 11.239 10.719 12.622 10.518
Ziegen und Schafe 2.339 3.444 2.690 2.550 1.911 1.964 2.242
Rinder 1.506 3.869 3.079 2.096 2.910 2.880 1.854
Vögel einschl. Geflügel 92.651 92.660 87.621 85.676 89.636 103.973 89.726
Reptilien 201 281 124 82 281 293 743
Amphibien 8.584 14.354 6.568 6.705 10.718 9.221 14.882
andere Tiere (z.B. Fische) 146.169 149.690 131.589 116.698 115.311 104.658 105.888
Gesamt 2.383.188 2.263.696 2.185.779 1.942.184 1.801.464 1.641.043 1.562.220


Quelle: Tierschutzbericht der Bundesregierung 1997
(Bundestagsdrucksache 13/7016), Seite 116 f

Anzahl der Versuchstiere (BRD 1995)
nach Spezies und angeblichen Zwecken

Spezies angeblicher Zweck (Legende siehe unten)
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.
Mäuse 135.176 470.613 7.449 5.666 9.027 339.992 172.027
Ratten 55.843 259.725 15.433 9.489 9.350 176.631 79.074
Meerschweinchen 3.913 38.566 1.765 5.607 1.144 15.795 3.244
andere Nager 6.378 12.613 10 458 8.925 8.571
Kaninchen 6.594 26.309 832 1.471 206 13.059 5.128
Menschenaffen
Hunds- + Breitnasenaffen 202 877 3 6 911 282
Halbaffen 33 25 32 57 42
Hunde 723 3.840 359 36 2 3.525 265
Katzen 50 443 197 526
andere Fleischfresser 57 89 30 4 13 69
Pferde, Esel, usw. 159 30 3 8 59
Schweine 2.651 4.218 502 5 1.222 2.400
Ziegen und Schafe 1.032 626 8 28 263 436
Rinder 169 1.143 123 52 408 337
andere Säugetiere 7 154
Vögel einschl. Geflügel 35.534 26.652 3.664 14.227 4.927 7.459
Reptilien 37 15 691
Amphibien 121 2.114 20 12.640
Fische 1.501 689 12.072 13.729 79.680 37.620 19.051
Gesamt 250.180 846.473 41.625 50.913 102.056 603.565 312.455


  1. Legende
  2. Erforschung oder Erprobung von Methoden zur Diagnostik, Prophylaxe oder Therapie
  3. Entwicklung oder Prüfung von Arzneimitteln nach § 2 des Arzneimittelgesetzes
  4. Entwicklung oder Prüfung von Pflanzenschutzmitteln nach § 2 Abs. 1 Nr. 9 des Pflanzenschutzgesetzes
  5. Prüfung anderer Stoffe oder Produkte als Arzneimitteln oder Pflanzenschutzmitteln
  6. Prüfung zur Erkennung von Umweltgefährdungen
  7. von 1.-5.: Gesetzlich erforderliche Prüfungen für die Anmeldung oder Zulassung von Stoffen oder Produkten
  8. Grundlagenforschung


Quelle: Tierschutzbericht der Bundesregierung 1997 (Bundestagsdrucksache 13/7016), Seite 118 ff

Anzahl der Versuchstiere (BRD 1995)
nach Spezies und Dauer der Versuche

Spezies Dauer der Versuche
< 1 Tag 1-7 Tage 8-30 Tage > 30 Tage
Mäuse 338.097 209.863 189.965 127.987
Ratten 210.031 91.209 81.653 64.184
Meerschweinchen 20.736 11.974 13.209 11.217
andere Nager 8.491 6.149 6.050 7.217
Kaninchen 32.518 2.506 7.542 6.977
Menschenaffen
Hunds- + Breitnasenaffen 127 148 376 794
Halbaffen 59 8 7 58
Hunde 1.571 501 1.167 2.271
Katzen 411 219 307 98
andere Fleischfresser 57 26 116 49
Pferde, Esel, usw. 56 31 119 83
Schweine 4.343 1.532 2.520 2.113
Ziegen und Schafe 670 232 146 1.249
Rinder 152 102 525 1.105
andere Säugetiere 15 22 121 22
Vögel einschl. Geflügel 30.654 9.335 17.056 32.496
Reptilien 366 25 30 255
Amphibien 3.336 805 842 9.950
Fische 12.320 86.897 12.615 16.825
Gesamt 664.010 421.584 334.366 285.255


Quelle: Tierschutzbericht der Bundesregierung 1997
(Bundestagsdrucksache 13/7016), Seite 124


Anzahl der Versuchstiere (BRD 1995)
Prozentuale Aufteilung nach Spezies

Spezies Anteil in %
Mäuse 50,0%
Ratten 26.7%
Meerschweinchen 3.5%
andere Nager 1.6%
Nager insgesamt 82,8%
Kaninchen 2,5%
Vögel einschl. Geflügel 5,5%
Fische 7,9%
andere Tiere 2,4%

Quelle: Tierschutzbericht der Bundesregierung 1997
(Bundestagsdrucksache 13/7016), Seite 117

Was bedeutet »vernünftiger Grund« im Sinne des Tierschutzgesetzes?

Nach seiner Zweckbestimmung in § 1 Satz 1 schützt das Tierschutzgesetz nicht nur das Wohlbefinden des Tieres, sondern auch dessen Leben. Satz 2 verbietet, Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Bei einheitlicher Betrachtungsweise beider Sätze des § 1 des Tierschutzgesetzes ergibt sich, daß ein Tier nur bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes getötet werden darf. Vertöße hiergegen können nach § 17 mit Freiheitsstrafe bis 2 Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden. Eine Legaldefinition des Begriffs "vernünftiger Grund" gibt es nicht. Der Gesetzgeber bedient sich hier zur Beschreibung seiner Ziele eines unbestimmten Rechtsbegriffs, da die vielfältigen Vorgänge der Lebenswirklichkeit nicht umfassend und abschließend dargestellt werden können. Zudem kann durch die offene Tatbestandsformulierung das Tierschutzrecht durch Auslegung und Rechtspechung weiterentwickelt werden, ohne daß eine Gesetzesänderung erforderlich wäre. Ein vernünftiger Grund kann dann gegeben sein,
  • wenn der mit der Tötung verfolgte Zweck,
  • die die Handlung auslösenden Umstände
  • und die Wahrscheinlichkeit des Erfolgseintritts
die Handlung des Täters erforderlich machen.
Quelle: Tierschutzbericht der Bundesregierung 1997 (Bundestagsdrucksache 13/7016), Seite 55